«Ich sehe mich selbst als Jäger und Sammler»

Seit der Gründung im Jahr 2002 engagierte sich Pitsch Schmid für den Verband Aargauer Museen und Sammlungen VAMUS – zuerst als Kassier, ab 2009 als dessen Präsident. Nun gibt er sein Amt ab. Das AAKU traf den 67­-Jährigen zu einem Abschlussinterview.

TEXT Philippe Neidhart BILD Philippe Neidhart

Jäger der verlorenen Schätze: Pitsch Schmid.

Pitsch Schmid, Sie haben sich seit der Gründung des VAMUS für den Verband eingesetzt. Was fasziniert Sie am Museumsschaffen?

Pitsch Schmid: Mein Vater war Direktor des Naturmuseums in Aarau – ich bin quasi dort aufgewachsen. Meine Mutter war zudem Antiquitätenhändlerin. Früh begann ich mich dafür zu interessieren, woher diese Dinge stammten – all diese Gegenstände erzählen Geschichten und dies treibt mich an. Ausserdem sehe ich mich selbst ein wenig als Jäger und Sammler.

Wie meinen Sie das?

Ich habe beispielsweise in Genf die Wappenscheibe des Hotel Aarauerhof entdeckt und diese in die Sammlung nach Egliswil gebracht. Das ehemalige Hotelgebäude wurde in den 70er-Jahren abgerissen. Mir ist es ein Anliegen, solche Sachen wieder dorthin zu holen, wo sie herkommen.

VAMUS setzt sich für mittlere und kleine Museen ein – weshalb braucht es diese?

In einem früheren Interview habe ich einmal gesagt, dass jedes kleine Museum etwas Spezielles bieten müsse – wir bräuchten nicht noch eine weitere Sammlung von Heuwagen oder Mistgabeln. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ein Ortsmuseum die Identität eines Dorfes widerspiegelt. Der Aargau hat beispielsweise eine reiche Industriegeschichte, und es waren lokale Persönlichkeiten, die einen Beitrag geliefert haben zur Schweizer Industrialisierung. Im Kleinen können wir nachverfolgen, wie diese Entwicklung vonstattengegangen ist. Auch ist es die Aufgabe der Museen, den weniger angenehmen Teil der Geschichte zu erhalten. So hat das Weberei- und Heimatmuseum Schmiedrued am diesjährigen Museumstag etwas zu den Internierten im Ruedertal gezeigt. Das ist ein wichtiger Teil der Geschichtsverarbeitung.

Und der VAMUS unterstützt die Museen bei dieser Arbeit.

Die kleineren und mittleren Museen brauchten eine Plattform. Ich habe es geschafft, den VAMUS von 40 Museen bei der Gründung auf 120 aufzustocken. Wir versuchen, das Gespräch unter diesen zu fördern, besser zu vernetzen und öffentlich sichtbar zu machen. Dafür besuchen wir mit den Mitglieder*innen jedes Jahr verschiedene Ausstellungen und führen Schulungen durch; so gingen wir beispielsweise zu einem Buchbinder nach Hendschiken, der zeigte, wie man alte Bücher restauriert. Und momentan bieten wir eine Schulung dazu an, wie man Ausstellungstexte für das Museum schreibt.

Nun geben Sie nach 20 Jahren den Posten als Präsident ab. Weshalb gerade jetzt?

Während meiner Zeit in dieser Position habe ich ein riesiges Netzwerk aufgebaut, doch nun ist es Zeit für einen Generationenwechsel. Mit Manuel Cecilia haben wir einen sehr guten Nachfolger, und der Vorstand konnte von fünf auf sieben Leute aufgestockt werden. Ich wurde damals als eigentlicher Laie zum Präsidenten, und mittlerweile gibt es junge Leute, die in gewissen Dingen professioneller sind und sich besser in der digitalen Welt zurechtfinden. Trotzdem bleibt es weiterhin wichtig, die Beziehung zu den Museen zu pflegen. Oftmals fehlt ihnen von öffentlicher Seite her die Wertschätzung. Doch ich weiss, dass der VAMUS jetzt in guten Händen ist.

Werden Sie dem Verband trotzdem erhalten bleiben?

Ich hoffe ja insgeheim, dass sie mich als Ehrenpräsident wählen (lacht). Und wenn ich die Möglichkeit erhalte, die Interessen der kleinen und mittleren Museen auf nationaler Ebene zu vertreten, werde ich das selbstverständlich machen.

Was werden Sie mit Ihrer neu gewonnen Freizeit anfangen?

Ich habe gemerkt, dass ich in letzter Zeit einige Sachen vernachlässigt habe. So beispielweise die Genealogie: Mein Vater hat einen Stammbaum mit einer Länge von zwölf Metern erstellt. Diesen will ich nun digitalisieren. Auch habe ich eine Sammlung aller Galgenorte und Henkersplätze des Aargaus begonnen. An diesen Orten sind teils barbarische Dinge geschehen – das ist noch gar nicht so lange her. Alle diese Plätze sollen doch eigentlich auf einer Karte ersichtlich sein, das habe ich mir zum Ziel gesetzt. Zudem biete ich Führungen für Amerikaner*innen durch die Schweiz an – dieses Projekt hat enormes Potenzial für die Zukunft. Und nicht zuletzt möchte ich mit meiner Lebenspartnerin Heidi ausgedehntere Ausfahrten auf der Harley unternehmen.