Geschliffener Psychokrimi

Das Theater Marie und das Theater St. Gallen inszenieren «Schleifpunkt», das neue Stück von Maria Ursprung, in Form eines audiovisuellen Streams.

 

TEXT Michael Hunziker BILD Jos Schmid

Diana Dengler (vorne) und Judith Cuénod.

Renate, Fahrschullehrerin, verliert zunehmend die Kontrolle über ihr Leben. Auslöser ist ein Unfall am Waldrand, der sie aus dem Alltag reisst. Sie fährt eine Frau an, die sie dann bewusstlos nach Hause nimmt, anstatt Krankenwagen oder Polizei zu informieren. Dann nimmt der Psychokrimi seinen Lauf. Denn die Frau will sich nun nicht mehr aus dem Leben von Renate zurückziehen. Im Gegenteil: Auf subtile Art und Weise mischt sie sich in die Angelegenheiten ihres Lebens ein.

Die Autorin Maria Ursprung bringt in "Schleifpunkt" die akkurate kleinbürgerliche Ordnung von Renate ins Wanken, denn die möchte eigentlich einfach so weiterleben wie bisher. Obwohl sich ihr Fragen aufdrängen: Die erwachsene Tochter ziehen lassen? Den charmanten Polizisten näher kennenlernen? Weiter Fahrlehrerin bleiben?

"Die aktuelle Situation, die Theateraufführungen verunmöglicht, animierte uns dazu, das Theater als Mischung von Film und Hörspiel zu erzählen", sagt Dramaturg Patric Bachmann, der mit Regisseur Olivier Keller den Bühnenstoff in eine multimediale Form überführt hat. "Schleifpunkt" ist nicht ein abgefilmtes Theaterstück, sondern wurde für diese hybride, neue Form inszeniert. Eine Mischung aus Theaterszenen, Filmdreh und Hörspielsequenzen, oder, wie Bachmann sagt, ein "filmischer Essay".

AARAU Theater Marie,
Vernissage, 21. April, 19 Uhr
www.schleifpunkt.theatermarie.ch