Gesägte Musik

Mit im «Kern verwandt» erspielen sich das Trio Häusermann Käppeli Meier gemeinsam mit dem Künstler Max Hari (an der Elektrosäge) neue Klagwelten – eine Kooperation von Bühne Aarau und Aargauer Kunsthaus.

TEXT Beat Blaser BILD zvg

Claude Meier, Ruedi Häusermann, Marco Käppeli und Max Hari loten Verwandtschaften mit der Elektorsäge aus.

Irgendwie lässt sich Ruedi Häusermanns Musik anfassen, vielleicht sogar riechen, wenn man nur die Nase nahe genug hat. Es sind nicht weite Klanglandschaften, Soundscapes, die Häusermann mit seinen beiden Compagnons Claude Meier am Bass und Marco Käppeli am Schlagwerk schafft, dazu fehlt ihnen das Pathos. Dass er sich immer wieder mit Wahlverwandten wie Robert Walser oder Peter Bichsel auseinandergesetzt hat, ist kein Zufall, die kleine Form ist ihrer aller Metier. Eher häusermannsche Klangskulpturen also, die sich drehen und wenden lassen, von verschiedenen Seiten beleuchtet behalten sie ihre Gestalt und sind doch immer wieder anders. Und wenn man sie aus einem Material hergestellt denkt, kann es kein hartes, festes sein, nicht Stein, nicht Metall noch Holz, eher schon etwas Fliessendes oder Luftiges. Es ist nicht einfach, die Klangwelt von Ruedi Häusermann in Worte zu fassen, immer wieder entzieht sie sich einem, sie ist völlig eigenständig.

Vielleicht gelingt es Max Hari, sie mit seinen Mitteln zu reflektieren. Max Hari ist Maler, sein Ausdrucksmittel ist die Farbe, und in der gemeinsamen Produktion "Im Kern verwandt" steht er zusammen mit den drei Musikern auf der Bühne. Im Kern verwandt ist wohl der Zugang der vier zur Kunst, die Resultate unterscheiden sich sehr. Max Haris Bilder sind expressiv, er richtet buchstäblich mit grossem Pinsel an, zuweilen sogar mit der Elektrosäge; satte Farben stehen auf grossen Leinwänden zueinander im Kontrast, oder er sägt expressionistische Linien direkt in die Schaltafeln. Häusermann dagegen setzt auf pastellene Farben, macht Musik an der Grenze zur Stille. Max Hari und Ruedi Häusermann kennen sich allerdings schon lange, spüren trotz aller Unterschiedlichkeit eine künstlerische Verbundenheit, was also wäre folgerichtiger, als ihre beiden Welten in einem Fast-Gesamtkunstwerk zusammenzuführen? Ein bisschen Neuland werden sie betreten müssen, wenn das Häusermann-Trio gegen die Säge anspielt. Max Hari muss den Klang seines Instruments in die Klarinetten und Flöten, den Bass und die Trommeln und Becken einpassen, und die Musiker werden mutig dagegenhalten!

AARAU Kunsthaus Sa, 26. Juni, 16, 17 und 18 Uhr