Gegenseitige Inspiration

Beim Projekt «Artists in Residence an Schulen» verwandelt sich das Klassenzimmer für ein Quartal in ein Atelier. Gerade in Zeiten der Pandemie sorgt das bei Schüler*innen und Kunstschaffen- den für eine willkommene Abwechslung.

TEXT Philippe Neidhart BILD Annegret Ruoff

Während «Artists in Residence an Schulen» erhalten die Kinder die Möglichkeit, zusammen mit Carmela Gander und Jonas Studer (im Bild) mit verschiedensten Materialien zu arbeiten.

Die Pausenglocke klingelt – doch statt ins Klassenzimmer geht es für die Schüler*innen der Primarschule Umiken direkt ins Atelier von Carmela Gander. Für ein Quartal wohnt und arbeitet die Luzerner Künstlerin jeweils von Montag bis Donnerstag in der Schule – eine überaus intensive Zeit: Am Projekt beteiligen sich insgesamt sechs Klassen, die jeweils eine Doppellektion pro Woche mit Gander arbeiten können.

Auch während der Freizeit und in den Pausen steht den Schüler*innen das Atelier offen, um zu experimentieren und sich kreativ auszuleben: "Gerade in Zeiten der Pandemie ist es ein Segen, dass wir um so viele Menschen herum sein dürfen – natürlich unter Einhaltung der Schutzmassnahmen", so Jonas Studer, Künstler, Kunstvermittler und Projektkoordinator. "Es ist eine riesen Chance, von der Ideenvielfalt der Schüler*innen zu profitieren."

Auch garantiert die Residenz eine finanzielle Absicherung, die sonst aufgrund von Covid-19 nicht gegeben wäre. Glücklicherweise hat das Virus sonst kaum Auswirkungen auf das Projekt – einzig der gemeinsame Atelierbesuch vor der Residenz fand in diesem Jahr per Zoom statt. Die Schüler*innen erhalten ihrerseits durch "Artists in Residence" die einmalige Möglichkeit, sich mit verschiedenen Medien und Ausdrucksformen in kreativer Weise auseinanderzusetzen. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, dass dies möglichst bewertungsfrei geschieht.

Zu Beginn sei es für die Schüler*innen nicht immer einfach, sich auf das Projekt einzulassen: "Es gibt kein Richtig und kein Falsch in der Kunst", so Studer, ganz im Gegensatz zum sonstigen Schulalltag. "Je länger wir mit den Schüler*innen arbeiten, desto einfacher fällt ihnen das kritische Hinterfragen - die Strukturen werden aufgebrochen." Zusammen mit Gander und Studer entsteht so über die Dauer von einem Quartal ein neues Werk, das am Ende der gemeinsamen Zeit präsentiert wird.

Lanciert wurde das Projekt "Artists in Residence an Schulen" von der Fachstelle Kulturvermittlung des Kantons Aargau bereits im Jahr 2012 und ist seit 2015 Teil des Programms "Kultur macht Schule", das sich für eine verstärkte Auseinandersetzung mit kulturellen Themen und künstlerischer Praxis an Schulen einsetzt. Die aktuellen Residenzen dauern noch bis am 9. April und werden von der Beisheim Stiftung, der Stäbli Stiftung sowie der Schule Umiken finanziell unterstützt.