Für «d’Spys» das richtige Werkzeug

Das Objekt

Nicht nur das Birchermüesli, auch die Raffel dazu hat der Aarauer Dr. Bircher-Benner im Jahre 1926 erfunden. Die Raffel aus Chromnickelstahl ist schier unzerstörbar, sie raffelt noch nach Jahren und sieht zeitlos aus – sie gilt inzwischen als Schweizer Designklassiker. Maximilian Oskar Bircher-Benner (*1867 in Aarau–†1939 in Zürich) war Arzt und Ernährungsreformer: Seine «Apfeldiätspeise», kurz «d’Spys», wurde von den Patientinnen und Patienten in Anlehnung an seinen Namen «Birchermüesli » genannt. 1903 veröffentlichte Bircher-Benner die Schrift «Grundzüge der Ernährungstherapie auf Grund der Energetik». Seine These: Nicht nur der Gehalt an Nährstoffen sei für die Qualität der Nahrungsmittel entscheidend, sondern auch die in ihnen gespeicherte Sonnenenergie aus der Fotosynthese. Bereits 1875 hatte der damals bekannte Lebensreformer Gustav Schlickeysen (*1843 in Berlin–†1893 in Jersey City) ein von sonnengereiften Früchten ausgehendes Konzept einer «Obstheilkunde» entwickelt und seine Sonnenlicht-Interpretation gar als «Erlösung des Menschen» proklamiert. Schlickeysen griff das Fleischessen an, weil es aus seiner Sicht ein «wildes und kriegerisches Leben» verursachte.

 

Rudolf Velhagen, Chefkurator Sammlung und Ausstellungen Museum Aargau. Zusammen mit zahlreichen anderen industriegeschichtlichen Objekten der Sammlung Museum Aargau wird die berühmte Bircher-Raffel in der Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen – Streifzug durch die Aargauer Industriegeschichte» zu sehen sein (SBB Historic-Gebäude, Windisch, 23. Oktober 2020 bis 1. Mai 2021). Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm:

www.museumaargau.ch/menschen-und-maschinen