Faszination Lochkamera

Mit «Souvenir» widmet sich der Ausstellungsraum Eck den fotografischen Werken von Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar. An zwei Tagen verwandeln sie den Raum in eine riesige Camera Obscura und bilden so den Aussenraum im Innern ab.

TEXT zvg / phn BILD weiss / siebenhaar

Felsen und Menschen.

Die Abbildungen zeigen Gletscher, Fels und Meer, Städte, mal still und leer, dann wieder von schemenhaften Menschen bevölkert, surreale Situation zwischen Inszenierung und Normalität. Über Jahre hinweg gingen Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar mit ihren selbstgebauten Lochkameras auf Reisen und erkundeten mit diesen Landschaften im Spannungsfeld von Stillstand und Bewegung.

Es entstanden schlichte Papiernegative in Schwarz-Weiss mit unzähligen Grauwerten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand ein immenses Bildarchiv. In der Ausstellung "Souvenir" im Eck zeigen Weiss und Siebenhaar, wie sie zusammenarbeiten, wie ihre Biografien mit der Arbeit verknüpft sind und wie sich eine Wiederaufnahme des gemeinsamen Prozesses gestalten kann. Die Künstlerinnen werden ihre Werke schichten und überlagern, anstatt sie in einem grossen Ausstellungsraum an ausladenden Wänden auszubreiten.

Sie verwandeln zu gewissen Zeiten den Raum aber auch in eine Camera Obscura und bilden so den Aussenraum im Innern ab. Das Duo will auf Überraschendes gefasst sein, sich auf Zufallsergebnisse einlassen und gegenseitige Vorstellungen abgleichen. Die Künstlerinnen betiteln ihre Werke dabei als "Protokolle der Langsamkeit". Sie konfrontieren die Gemächlichkeit des Entstehungsprozesses mit der kulturellen Stille der Pandemie und zeigen, dass auch in Zeiten des Lockdowns Kommunikation durch Bilder entstehen kann. Ein Grenzspiel zwischen hervorheben und verschwinden lassen, zwischen Sehen und Erahnen, zwischen Zeigen und Verbergen.

Kathrin Siebenhaar (*1971) und Jacqueline Weiss (*1966) arbeiten seit 2007 mit der Camera Obscura. Es entstanden Werke auf Papier, Videoarbeiten, aber auch begehbare Installationen. Seit 2015 ist das oberste Stockwerk des Turms des Stadtmuseums Aarau zu einer ständigen Camera Obscura umgebaut. Acht Linsen werfen bei schönem Wetter die Abbilder der Aarauer Umgebung auf verschiedene Bildträger im Raum und zeigen die Stadt auf dem Kopf.

Das komplette Programm und die Öffnungszeiten finden Sie hier.