Enteckungen zum Trost

SOUNDS Es wäre der Auftakt der Festivalsaison gewesen und die Gelegenheit für Neuentdeckungen: Doch auch das Badener Festival One of a Million muss kapitulieren. Trotzdem kommen hier ein paar kulturelle Lebenszeichen.

TEXT Michael Hunziker / Lorena Messmer BILD zvg

Leoni Leoni.

Es wäre bereits das elfte Mal gewesen, doch leider kann unter diesen Bedingungen daraus nichts werden. Die Verantwortlichen des bekannten Badener Festival-Highlights One of a Million (OOAM) hatten bis zuletzt an Formaten gefeilt, die es erlaubt hätten, es doch noch stattfinden zu lassen: virtuell, mit Radioübertragungen von Kanal K, Radio 3Fach und Radio Stadtfilter.

Doch die Macher*innen sind zum Schluss gekommen, dass sie mit der Mobilität, die sie aufseiten der Künstler*innen generieren würden, Risikosituationen entstehen könnten: "Gesundheit und Wohlbefinden aller involvierten Personen haben höchste Priorität, und die neuen Massnahmen hätten zu grosse Abstriche in der Qualität der Inhalte und der Freude an der Arbeit bedeutet", sagt Céline Werdelis von der Festivalleitung zum kurzfristigen Entschluss.

Das AAKU stellt nachfolgend drei Bands vor, die am OOAM aufgetreten wären. Ein schwacher Trost, gewiss. Hoffentlich vermögen die Songs dennoch ein bisschen Festivalstimmung und Hoffnung auf baldige Normalität verströmen (eine merkwürdige Hoffnung, nach wie vor). mh


Leoni Leoni

Leoni Leoni kreiert Musik zum Abtauchen, zum Schweben und Träumen. Feinfühlig besingt die Berner Künstlerin Klangschichten, die sie mit Synthesizer und Instrument zusammenbastelt. Die Stimme sanft, manchmal fast unhörbar. Flimmernde, schimmernde Töne schmiegen sich an. Klingende sphärische Wellen, die unerwartet durch verspielte rhythmische Abfolgen durchbrochen werden. Leoni Leoni malt Wolkenbilder in den Kopf, und ihre Musik schmeckt nach Sonnentagen. Ihre Alben "Easy Sleep" und "Super Slow" gibt es nicht nur auf Spotify und Soundcloud zu hören, Leoni Leoni spielt ihre Musik auf Kassetten. Slow-Pop, der liebevoll die Langsamkeit ehrt, wertschätzt und zuckersüss schmecken lässt.

Verveine

Verveine ist nicht nur ein Kraut, sondern auch eine Musikerin aus Vevey. Anders als das Kraut, ist Verveines Musik jedoch nicht beruhigend, sondern aufwühlend und berauschend. Der Mix aus Pop und Electronic ist wild, pulsierend, zischend. Himmlisches Piano und Streichmusik treffen auf höllische Beats. Diese Diskrepanz, diese Spannung formt die wunderbare Intensität des neuen Albums"Hotdrama"."Hotdrama" ist kraftvoll, selbstbewusst, fordernd und im nächsten Moment flehend, verletzlich. Verveines Musik ist kantig, überraschend und hypnotisch. Die Künstlerin kreiert einen verführerischen Sturm aus düsterer Ästhetik. Diese Musik drängt zur Bewegung, schreit nach Schweiss und getanzten Nächten.

Meril Wubslin

"Alors Quoi" ist das neue Album der Lausanner Band Meril Wubslin. Ihre Musik ist archaisch, rustikal und roh. Repetitive Sequenzen verflechten sich mit dynamischen Melodien. Meist wird auf Französisch gesungen, doch befinden wir uns fernab des klassischen Chansons. Melancholisch, schwermütig verweben sich die Stimmen von Valérie Niederoest und Christian Garcia-Gaucher zu düster-schönen Balladen. Rhythmisch begleitet vom Jérémie Conne entführt uns Meril Wubslin in eine verwunschene Realität. Die repetitiven Elemente wiegen uns in einen Tanz mit uns selbst und längst vergessenen Geistern der Vergangenheit. Lass dich per Funkwelle sanft verschlingen und entgleite in eine mystische Welt. Lorena Messmer


4 × FESTIVALBUCH ZU GEWINNEN

Ein bildreiches, poetisches Zeugnis ist dieses Buch mit dem Titel "One in Ten Times One of a Million" gewor- den, das als Festschrift über die zehnte Ausgabe nun fertig geworden ist. Wild, jung und leuchtend - quasi ein Spiegelbild des OOAM. Mit Texten von Autor*innen wie Donat Kaufmann, Jessica Jurassica und Benjamin von Wyl. Das AAKU verlost vier Exemplare. Einfach Mail bis 25. Februar an redaktionnoSpam@aaku.noSpamch. Es entscheidet das Zufallsprinzip.