Elegien für Insekten

Ein jazziges Plädoyer für alle Krabbelwesen: Das Trio Tie Drei erspielt sich einen wilden Klanggarten in der Aarauer Bar im Stall.

TEXT Beat Blaser BILD zvg

Zirpen und Brummen in der Weltsprache des Jazz: Johanna Pärli, Hannah Müller und Sonja Ott (v. l.).

"Tie Drei"? Habe ich etwas falsch verstanden oder kenne ich ein deutsches Wort nicht? Die Sache löst sich schnell auf: "Tie Drei", das sind drei junge Musikerinnen aus Bern, die gern auch im Netz gefunden würden. Als sie sich noch "Die Drei" nannten, erschienen auf dem Bildschirm von den Musketieren bis zu den Fragezeichen alle, nur nicht sie. Aber heute spielt das eigentlich gar keine Rolle mehr, die drei Frauen habe sich in die Köpfe und Herzen des Publikums gespielt, sie sind zu einer festen Grösse in der Szene geworden, und dies höchst erfolgreich!

Dabei war das Rezept, das sie für ihre Band damals, vor fast sieben Jahren, wählten, keineswegs auf schnellen Erfolg angelegt: Eine Besetzung mit Stimme, Trompete und Kontrabass, eigene Stücke im weiten Feld zwischen Pop und Jazz, ziemlich frei improvisiert mit viel Lust an Experiment und Abenteuer. Auch der Weg zu einem eigenen Sound war nicht der nächstliegende, denn die Lieder wurden zu dritt entwickelt, was heisst: suchen, ausprobieren, verwerfen, diskutieren, einen neuen Weg finden, die eigenen instrumentalen und musikalischen Grenzen abtasten – und dies alles ohne einander überdrüssig zu werden.

Der steinige Weg hat sich gelohnt, "Tie Drei" haben einen unverwechselbaren Klang entwickelt, so unverwechselbar wie der Artikel vor dem Namen. Seit einiger Zeit ist zur Trompeterin Sonja Ott und der Kontrabassistin Johanna Pärli neu als dritte Frau Hannah Adrianna Müller zum Trio gestossen. Sie singt nicht nur, sondern spielt auch Violine, eine willkommene Erweiterung des Klangspektrums, mit der man zu neuen Ufern aufbrechen will. "Elegy for the Extinct Species" heisst das aktuelle Programm, und mit den ausgestorbenen Arten sind Insekten gemeint, denen es im Schweizer Mittelland bekanntlich ziemlich schlecht geht. "Tie Drei" lassen sie wiederauferstehen, lassen sie krabbeln, flirren und flimmern, zirpen und brummen, mit ungehörten und unerhörten Tönen und Klängen – ein musikalischer Kräutergarten fast!

AARAU Jazz Club Bar im Stall (Reithalle)

Do, 28. Oktober, 20.15 Uhr