Ein Abend im Cello-Himmel

Im Duo quer durch die Musikgeschichte: Cellist Daniel Müller-Schott und Pianistin Alice Burla spielen in Seon.

TEXT Verena Naegele BILD Uwe Arens

Crack der Cello-Szene: Daniel Müller-Schott spielt in Seon.

Es kommt nicht so häufig vor, dass in einem Konzert das dunkle, weich timbrierte Cello eine tragende Rolle spielt. Umso spannender ist daher das Seetal-­Classics-­Konzert vom Dezember, da sich mit Daniel Müller-­Schott ein Crack der Cello-­Szene die Ehre gibt. Für Furore ist gesorgt, zumal Müller-­Schott mit seiner Begleiterin Alice Burla am Klavier ein Programm mitbringt, das es in sich hat. Mit den vier ausgewählten Werken von Beethoven, Schu­bert, Franck und Debussy spielt sich das Duo quer durch die Musikgeschichte: von der Klassik über die Romantik bis zur Moderne.

Die Sonate für Cello und Klavier von Debussy, damals ein Enfant terrible der Moderne, ist allerdings eher konventionell ausgerichtet, obwohl es ein Spätwerk ist. Das oft gespielte Stück entstammt einem von Debussy drei Jahre vor seinem Tod konzipierten Zyklus von "Six so­ nates pour divers instruments", die er in bewusster An­lehnung an die französische Sonatenkunst des Barocks kon­zipierte. Dem entsprechend bricht seine Cello­Sonate von 1915 aus der konventionellen Viersätzigkeit der deutschen Vorbilder aus und experimentiert mit freieren Formen.

Ebenso experimentierfreudig war Beethoven, der 120 Jahre vor Debussy seine g-Moll-Cellosonate kompo­nierte. Diese ist sogar nur zweisätzig, mit einer langen Adagio-Einleitung und einem lüpfigen Kontretanz im Schluss­-Rondo. Überhaupt ist an diesem Abend das Unge­wöhnliche Trumpf - Schuberts "Arpeggione"-­Sonate ist für ein gleichnamiges, längst vergessenes Instrument kompo­niert und gespickt mit virtuosen Passagen. Und Francks Cello­-Sonate wiederum ist die Transkription seiner berühm­ten spätromantischen Violinsonate. Für

Daniel Müller-­Schott ist diese Vielfalt keine Heraus­forderung, sondern vielmehr ein "gefundenes Fressen". Der in der ganzen Welt konzertierende Cello­-Star kann mühelos wechseln. Ihm gelingen die Kantilenen bei Beetho­ven und Schubert genauso schön, wie die Kraft in Francks Sonate. Für Cello­-Fans und solche, die es werden wollen, ein Muss.

SEON Ref. Kirche Seon So, 11. Dezember, 17 Uhr