Durch den pinken Filter geschaut

KUNST Die in Jonen AG aufgewachsene Künst­lerin Nici Jost hat sich in ihrem Schaffen ganz der Farbe Pink verschrieben: Im Kunstraum Baden zeigt sie nun eine Werkgruppe mit Material, das sie in Shanghai gesammelt hat.

TEXT Gianna Rovere BILD Oliver Oettli

Shanghai in Pink: Nici Jost stellt im Kunstraum Baden aus.

Der Kunstraum Baden verwandelt sich für die Ausstellung " 桃 花 源 Land of Peach Blossom" von Nici Jost (*1984) in eine Mischung aus chinesischer Shoppingmall und tradtionellem Markt. Die gezeigte Werkgruppe basiert auf dem Material, das die Künstlerin 2018 aus ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in der chinesischen Metropole Shanghai mitgebracht hat.

Jost liess sich von der Farbe Pink als Filter durch die überwältigende Flut an Eindrücken leiten und hat verschiedene Themenbereiche gefunden, die Einblicke in die gesellschaftliche wie auch kulturelle Komplexität der Stadt möglich machen. "Pink war auch eine gute Türöffnerin, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die mit mir ihre Erfahrungen und Erinnerungen mit der Farbe geteilt haben", erzählt die Künstlerin.

Im Zentrum der Ausstellung stehen sorgfältig inszenierte Sektoren, die durch Wände getrennt nebeneinander angeordnet sind. Besucher*innen können in einen "Shop", den "Bird and Flower Market", "Deconstruction/Demolition" und "Construction" eintauchen. Die Installationen bestehen aus Fotografien, Videoarbeiten und auch skulpturalen Elementen, wie zum Beispiel einer mit unzähligen pinken Dingen gefüllten Ladenvitrine. Zusammengehalten werden die Installationen – neben dem Fokus auf die Farbe Pink – durch eine wirre Soundkulisse, die durch Geräuschquellen in den verschiedenen Sektoren entsteht.

Als Auftakt der Ausstellung stellt die Künstlerin zwei neue Pinktöne vor, die sie in China kreiert hat: "Peach Pink" und "Silent Pink". Diese ergänzen die 2016 entstandene Arbeit "Pink Color Systems", die aus einem Farbfächer mit zehn Pinktönen besteht.

Jost hat sich mit der Repräsentation, Bedeutung und Geschichte von Pinktönen in verschiedenen Bereichen des westlichen Alltags wie zum Beispiel Konsum ("Refined Pink") oder Politik ("Bloc Pink") auseinandergesetzt. Mit ihrer künstlerischen Forschung beweist sie, dass Pink als Farbe zu unrecht als oberflächig oder gar "girly" degradiert wird.

BADEN Kunstraum, bis 27. Juni