Distanzierte Nähe, archaische Moderne

Im Museum Langmatt trifft die junge deutsche Malerin Vivian Greven auf den Schweizer Künstler Not Vital.

TEXT Tania Lienhard BILD zvg

Die Skulpturen von Not Vital sind unter anderm im Garten zu entdecken.

AUSSTELLUNG "Vivian Grevens Bilder passen perfekt ins Museum Langmatt", schwärmt Assistenzkuratorin Daniela Minneboo. "Schon seit einigen Jahren legen wir den Fokus auf zeitgenössische Malerei und stellen so einen Dialog her zwischen der impressionistischen Sammlung der Gründerfamilie des Museums und aktuellen figurativen Bildern – also zwischen damals und heute. Ähnliches macht Vivian Greven: Sie lässt sich für ihre Bilder vom klassizistischen Bildhauer Antonio Canova inspirieren. Ihre Werke stehen in einem historischen Kontext."

Zum ersten Mal nun stellt die 36-jährige Künstlerin in der Schweiz aus. Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Thema zwischenmenschliche Beziehungen. Immer wieder bildet sie zwei oder mehrere Figuren ab, die miteinander zu interagieren scheinen. Das Besondere daran: Vivian Greven schafft es, die Betrachter*innen eine tiefe Nähe, gleichzeitig aber auch eine grosse Distanz zwischen den Figuren spüren zu lassen. "Die Gesichter erstarren im Moment der Zuwendung", erklärt Minneboo. Die Bilder haben eine grosse Wirkung im Raum. "Wir lassen den Bildern viel Platz, deshalb entfalten sie eine enorme Ausstrahlung."

Skulpturen von Not Vital

Eine grosse Ausstrahlung der anderen Art haben die Skulpturen von Not Vital. Der 73-jährige Schweizer gilt als Künstlernomade, weil er in Peking und Rio de Janeiro Ateliers besitzt und erst seit einem Jahr wieder in seiner Bündner Heimat lebt. Aufgrund seiner Reisetätigkeiten hat er tiefe Kenntnisse über Skulpturen anderer Kulturen, die er gerne in seine Arbeit einfliessen lässt. Kunstliebhaber*innen kannten ihn schon auf der ganzen Welt, als er durch eine Werkübersicht im Bünder Kunstmuseum Chur vor drei Jahren auch hierzulande bekannt wurde. "Eigentlich hatten wir geplant, die Werke von Not Vital vor allem im Aussenbereich des Museums auszustellen, aber es kam anders", lacht Daniela Minneboo.

Die Assistenzkuratorin erzählt die Geschichte von ihrem Treffen mit dem Künstler: "Not Vital erblickte unsere Sammlung von Grabkeramiken aus der chinesischen Han-Dynastie und er hatte sofort eine Vision." Das Museum Langmatt liess sich von dieser Vision begeistern: In der freigeräumten Bibliothek stehen nun archaisch anmutende Keramikskulpturen von Not Vital historischen Grabkeramiken aus der Han-Dynastie gegenüber. "Hier das Neue, Moderne, das aufgrund der Verarbeitung auch Sprünge hat und gewollt grobe Züge trägt, und dort das Alte, das durch hohe Kunstfertigkeit und Sorgfalt auffällt", erklärt Minneboo. Auch draussen im Park stehen Skulpturen des Schweizer Künstlers: Es sind Gebilde aus Edelstahl, die aussehen wie Heuballen. Hier betont Minneboo die Kontextverschiebung: "Die Heuballen stehen nicht etwa in einer ruralen Umgebung, sondern auf feinstem englischem Rasen", lacht sie. Das zeige den Humor von Not Vital.  

BADEN Museum Langmatt
bis 22. August