Die Familie fehlt

Leben mit Asylstatus

Besuch im Deutschunterricht. Das Gespräch dreht sich zunächst um das neue Leben in der Schweiz. Da ist Dankbarkeit, nach Jahren von Gefängnis, Krieg und Flucht endlich in Sicherheit und Ruhe leben zu können, ein Dach über dem Kopf zu haben, die neue Sprache lernen zu können. Da ist auch Unverständnis über den Asylentscheid. Da ist der Wille, Arbeit zu finden, damit man und frau nicht mehr von der Asylsozialhilfe abhängig ist. Und da ist die Schwierigkeit, überhaupt Arbeit zu finden. Was fehlt? Das ist für alle schnell klar: Die Familie fehlt. 

 

Das Ehepaar Fahr und Rahwa sind vor elf Jahren aus Syrien geflüchtet. Seit fünf Jahren leben sie in der Schweiz. Es ist nicht klar, ob sie je wieder in ihr Land zurückkehren können. Als sie Syrien verliessen, war die Enkelin vier Jahre alt, heute ist sie 15. Shahin aus dem Iran wollte seine Familie in der Türkei treffen – nach zweieinhalb Jahren. Das gehe nicht, beschied das Staatssekretariat für Migration. Vorläufig Aufgenommene müssen in Bern einen Antrag auf Wiedereinreise stellen. Die Hürden dazu sind sehr hoch. Fahr, Rahwa und Shahin wollen keine Ferien im Ausland machen. Sie möchten lediglich wieder einmal die Familie, Kinder und Enkelkinder in die Arme schliessen. Shahin aus Iran wohnt in Rekingen, Fahr und Rahwa aus Syrien in Neuenhof.

 

Das Gespräch entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Netzwerk Asyl Aargau.