Der Wüste entsteigt ein Zauber

Der Circus Monti ist in seine neue Saison gestartet und zeigt, wie man poetisch und artistisch «contre vents et marée» vorankommt.

TEXT Melanie Keim BILD zvg

Aus dem Nichts entsteht Magie: die Artist*innen des Circus Monti zeigen, wie.

Was fällt einem ein, wenn man an Zirkus denkt? Ein Zelt wahrscheinlich, unter dem es ziemlich warm ist, ein Clown, eine Akrobatin und vielleicht ein Trapez oder ein Hochseil. Und ziemlich sicher: Eine Manege, in der Holzschnipsel liegen. Im Circus Monti aber gibt es diese schon lange nicht mehr. Denn der Zirkus verzichtet seit vielen Jahren auf Tier­nummern. Stattdessen liegt dieses Jahr Sand in der Manege. Zwar ist es kein echter, weil das logistisch zu aufwändig wäre. Nur das Bühnenbild suggeriert, dass sich im Zirkuszelt Dünen auftürmen. Doch wenn man an die Fata Morgana denkt: Passen Illusionen nicht ohnehin besser in die Wüste?

"Contre vents et marée" heisst das neue Programm des Circus Monti, mit dem der Zirkus rund um die Familie Muntwyler bereits zum 37. Mal auf Tournee geht. Und in diesem Jahr dreht sich alles um die Wüste, diesen Ort der Weite und Leere, der Poesie und der Überraschungen. Ein Ort, in dem man aber auch ständig gegen Wind und Wetter kämpft – "contre vents et marée", wie die französische Redewendung besagt. Das Thema Wüste stammt von der Schweizer Artistin und Regisseurin Mascha Dimitri, die bereits zum dritten Mal für Konzept und Regie des Monti-­Programms verantwort­lich zeichnet – dieses Jahr gemeinsam mit dem Co-Regis­seur Faustino Blanchut, der die Accademia Teatro Dimitri absolviert hat und als Tänzer, Choreograf und Schauspieler arbeitet.

Schnell versteht man die Parallelen zwischen dem rauen Wüstenleben und der Zirkuswelt: Auch hier wird aus dem Nichts Magie erschaffen, durch harte Arbeit und gegen so manche Widerstände. Zwei Monate lang trainier­ten die 13 Artistinnen und Artisten aus sieben Ländern und verschiedenen Disziplinen wie Diabolo, Vertikalseil, Hand­stand oder Clownerie gemeinsam im Zirkuslager in Wohlen, um ihre Nummern am Boden und in der Luft zu einem einzigartigen Wüstenbild zusammenzufügen. In dieser Zeit entstand auch die Musik, die stets einen wichtigen Teil zum Monti­-Zauber beiträgt und dieses Jahr vom Walliser Musiker Thierry Epiney stammt.

AARAU 31. August-4. September
WETTINGEN Zirkuswiese, 28. September-2. Oktober

Detaillierte Zeiten und andere Spielorte: www.circus­monti.ch