Der Schlossgeist wird gefeiert

Harfen-, Gitarren- und Geigenklänge, Kinderstimmen, fröhliche, melancholische und bissige Texte von Liebe, Wein und Jagd – im Spätsommer steigt im Schloss Hallwyl und darum herum wieder «Wilhelmina – das Fest der Künste».

TEXT Kristin T. Schnider BILD zvg

Es wird gejandelt und gesungen: Auf Schloss Hallwyl steigt die Wilhelmina.

Seitdem die Zeit der "Oper Hallwyl" vorbei ist, setzt der künstlerische Leiter Walter Küng die Tradition der Bespielung des Schlosses Hallwyl fort. Sein Festkonzept öffnet den Raum für die Umgebung des Hallwilersees, für Geschichten aus der Region und – was ihm besonders wichtig ist: die Bevölkerung ist eingeladen, das Fest zu geniessen und dabei auch aktiv mitzumachen.

Drei Feste wurden geplant, ihre Übertitel sind "Adel, Natur und Wirtschaft". In diesem Jahr sind fantasievolle musikalische Szenen zum Thema Natur das verbindende Element der "Wilhelmina", nachdem 2021, passend zur fürstlichen Umgebung und zur gräflichen Namensgeberin, der "Adel" besungen und bespielt wurde. Zum nächsten Thema "Wirtschaft" sei so viel verraten: die musikalischen Geschichten über zwei international erfolgreich gewordene Frauen aus dem Oberen Seetal sind bereits in Vorbereitung!

A apropos berühmte Frauen: Der Name des Festivals ist Programm. Ohne Wilhelmina, durch Heirat Gräfin von Hallwyl geworden, fände es gar nicht statt, weder Schloss noch Umschwung wären in diesem Stil erhalten geblieben. Wahren Adel bewies die energische Kaufmannstochter aus Stockholm, indem sie ihre Leidenschaft für Kunst und Kultur der Öffentlichkeit zugutekommen liess. Unter ihrer Ägide wurde das heruntergekommene Wasserschloss renoviert, und für Erhalt und Pflege sorgte sie mit der Gründung einer Stiftung, die bis heute dieser Aufgabe nachkommt.

Das erste Event "Deine Augen funkeln wie die Sterne in der Nacht!" ist eine wunderbare Einstimmung: Romantik macht den Anfang. Die originelle Inszenierung von Text – Zeilen aus berühmten Liebesbriefen, Gedichte aus dem Arabischen – und Musik gibt den Ton an für den Veranstaltungsreigen. Vor dem Schloss, beim Wassergraben, umwerben sich Liebende, besingen und beschwören den Mond, die Sterne, die Sehnsucht – kurz: die menschliche Natur. Die zeigt sich auch im jugendlichen Übermut der Kinder aus der Region, die musizierend und spielend das Publikum durch Wald und Wiese und ihre Vision – basierend auf einer Geschichte von Erich Kästner – vom friedlichen Zusammenleben von Mensch und Tier führen.

Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz: In der Seetaler Version des Heurigen werden nicht nur Schrammelmusik, und, wie Küng schmunzelnd sagt, "kratzbürstige Gedichte" des Wieners Ernst Jandl serviert, denn wenn das Jagdhorn zu Tisch ruft, kann im Schlosshof die Beute der Aargauer Jagd, fachmännisch zerlegt und zubereitet, zu Jägermusik und Jägerlatein genossen werden. Bröckelt aber der Speiseaal, wie im ehemaligen Hotel Brestenberg, warten die Kellner auf Arbeit und die Gäste – als Publikum mit Anekdoten aus guten Zeiten zwar bestens unterhalten – auf die Bewirtung, da bleibt nur eins: hinaus aus dem Zerfall und auf der Wiese mit Musik und Tanz zu einem Neuanfang inspiriert werden.

Auch der Schlussakt des Festivals, das Konzert im Schlosshof, ist ein Auftakt: dasselbe Kammerensemble des Jugendorchesters Aargau wird das nächste Festival eröffnen. Mit Stücken von Beethoven und Grieg wird der Bogen zurück zur Romantik und zur Freude in und mit der Natur geschlagen, und mit sicherlich funkelnden Augen senden die jungen Musizierenden mit einem Werk des schwedischen Komponisten Dag Wirén einen symbolischen Gruss an die Gräfin, an Wilhelmina aus Stockholm.

HALLWIL Schloss und andere Orte, 17. August bis 4. September
www.wilhelmina-hallwil.ch