Barbarische Nächte oder die Morgenröte der Welt

Das gefeierte Tanzstück «Les nuits bar- bares ou les premiers matins du monde» mit dem Männerensemble des frankoalgerischen Choreografen Hervé Koubi wird das Badener Kurtheater in genussvolle mediterrane Schwingung versetzen.

TEXT Kristin T. Schnider BILD Pierangela Flisi

Derwische des Breakdance: Das Ensemble von Hervé Koubi.

BÜHNE Die Welt, die in diesem so kraftvoll wie subtilen Stück den Morgen sieht, ist diejenige des Mittelmeerraums, aus den Begegnungen der Völker gewachsen, den vermeintlichen Barbaren, die seit mehr als dreitausend Jahren um das Mittelmeerbecken herum aufeinandertrafen. Mit seinem Ensemble von 13 Tänzern aus Algerien, Burkina Faso, Frankreich und Marokko setzt Choreograf Hervé Koubi seine ausgiebige Reise tief in die Geschichte der mediterranen Kulturen und Völker in einem herausragenden Stück Tanztheater in Szene.

Der Begriff "Barbar", sagt Koubi, werde zumeist mit Bildern von ungeschlachten Männern mit Helmen und Schwertern illustriert, die alles niedermetzeln, was ihnen begegnet. Darin zeigt sich, so Koubi, die bekannte und überlieferte Angst vor "dem Fremden", die aus westlicher Perspektive aus einebnet, was an Raffiniertheit, Wissen und Reichtum von Persern, Ioniern, Skythen, Babyloniern und Arabern kreuz und quer über das Meer ausgetauscht, und letztlich auch an uns weitergegeben wurde.

Die Tanzkünstler aus den Banlieues bringen zu Klängen algerischer Volksmusik, Mozart, Fauré und Wagner mit ihrer faszinierenden körperlichen Präsenz und Präzision, als Derwische des Breakdance, archaische Figuren ritueller Kriegstänze und feinnervige Akrobaten, eine Geschichte des Mittelmeerraumes zum Leben, wie sie so nicht bekannt und nicht bewusst ist.

Der Leiter des Kurtheaters Baden, Uwe Heinrichs, freut sich ungemein, dem Publikum einen Auftritt der Tanzkompanie Hervé Koubi bieten zu können, der ihn selbst, als er die "Barbarischen Nächte" zum ersten Mal sah, "weggeblasen" hat. Dank oder trotz vieler mitreissender Szenen und Musik wird auch so viel Raum für das Publikum da sein, dass sich jede und jeder mit eigenen Bildern und Assoziationen danach frohgemut in die barbarisch angereicherte Nacht Badens begeben kann.

BADEN Kurtheater, Do, 24. Juni, 19.30 Uhr