Am Tisch sich selbst erkennen

Das Kindermuseum in Baden widmet seine neue Sonderausstellung dem Thema Essen und trifft damit den Nerv einer aktuellen gesellschaftlichen Diskussion.

TEXT Robin Schwarz BILD zvg

Was kommt bei wem wie auf den Tisch: Gesellschaftliche Wirklichkeiten lassen sich auch am Essen ablesen.

Was ist eigentlich Ihr Lieblings­menü? Wissen Sie, wie es pro­duziert wird? Glauben Sie, Sie geben dem Essen einen höheren Stellenwert, als es die Gesell­schaft vor 200 Jahren getan hat? Wie haben sich Tischgespräche entwickelt? Antworten auf solche und andere Fragen möchte sich das Kindermuseum Baden mit der Sonderausstellung "Tischlein, deck dich!" annähern.

Im Vordergrund steht dabei vor allem die histori­sche Kontextualisierung rund ums Thema Essen: Vier Protagonist*innen aus verschiedenen Generationen – zum Beispiel Albert (*1828) oder Naima (*2038) – nehmen das Publikum an der Hand und führen es durch den Wandel der Zeiten. Das Ausstellungsprogramm ist interaktiv – und klingt im ersten Moment fast ein bisschen nach Arbeit. Die Logik des Ausstellungspfads: Vom spielerischen Einkaufen mit Self­checkout über das Kochen, zum Tischdecken bis zu den sozialen Gepflogenheiten beim Essen.

Gerade auf den letz­ten Posten ist Museumsleiter Daniel Kaysel stolz: "Wir haben zum ersten Mal mit Kindern im Tonstudio kleine Hörspiele aufgenommen. Das hat uns grosse Freude bereitet. Es wird spannend sein, sich an den Tisch zu setzen und Gesprächen aus verschiedenen Generationen zuhören zu dürfen." Eine von vielen Erkenntnissen, die man den Kindern ermöglichen wolle: Zu zeigen, dass unsere Rituale und Gespräche am Tisch stetig abgenommen haben. "Heute wird das servierte Essen oft als Erstes fotografiert. Dafür wird in Kauf genommen, dass das Essen kalt wird – anstatt es ein­fach zu geniessen", sagt Kaysel. Die

Ausstellung setzt sich mit drängenden Zeitfragen ausein­ander. So gibt Koch Mirko Buri beispielsweise Einblick ins Thema Foodwaste und auch Allergien und Essgewohn­heiten wie Veganismus werden thematisiert. Trotzdem geht es Kaysel nicht darum, "den Mahnfinger zu erheben", son­dern auch spielerische Lust am Essen zu vermitteln. "Uns ist wichtig, dass die Kinder mit einem guten Gefühl aus der Ausstellung kommen. Im besten Fall nehmen sie Fragen zum Thema mit nach Hause. Wir möchten mit unseren Ausstellungen zum Gespräch anregen."

BADEN Kindermuseum

28. August 2021 bis 31. Dezember 2022