Alle sind willkommen

Alireazas Welt

TEXT Alireaza

Ich komme aus dem Iran. Im Iran kommen alle zusammen. Wenn Besuch kommt – es können auch Fremde sein – sind die Türen weit offen für alle. Man sitzt zusammen, alle sprechen miteinander, trinken Tee, essen. Die Gemeinschaft ist wichtig. In der Schweiz leben viele in ihren eigenen vier Wänden. Es ist schwierig, da reinzukommen. Ich würde sehr gerne an der Kultur teilhaben. Das ist nicht möglich, da das Asylgeld so klein ist, dass es nur gerade fürs Überleben reicht. Arbeiten darf ich nicht, denn das würde ich am liebsten tun. Mein Leben selber bestreiten. Wenn du keine Arbeit hast, bist du in der Schweiz ausgeschlossen. Dabei kann ich vieles. Ich habe als Plattenbodenleger und als Schweisser gearbeitet. Keine Arbeit haben, bedeutet kein Geld haben, bedeutet, ausgeschlossen sein. Ich schäme mich, dass ich Geld von der Schweiz erhalte. Damit ich nicht in Depressionen versinke, gehe ich in die Natur. Ich bin oft zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Ich beobachte die Natur und lerne die Schweiz so kennen. Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, arbeite ich als Freiwilliger in der VELOwerkstatt oder helfe bei verschiedenen Arbeiten von Freiwilligenorganisationen. So muss ich rausgehen, treffe Menschen, spreche Deutsch.

 

Alireaza, 32 Jahre alt, Iran, wohnt in Spreitenbach. Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Netzwerk Asyl Aargau.