Frölicher/Bietenhader & Sarah Burger: «Magma»

Unverkrampft übertritt das Künstlerduo Frölicher/Bietenhader (Selina Frölicher, *1985 Zürich, und Micha Bietenhader, *1985 Zug) die Grenze zwischen digitalen und analogen Medien. Dabei legen sie offen, wie ungesichert die Daten sind, die das Verständnis der Wirklichkeit bestimmen: Nie sind Maschinen vollumfänglich kontrollierbar, am Zauber elektronischer Bilder zeigen sich ihr Eigenleben sowie der Bruch zwischen tatsächlichen Körpern und ihrer verführerischen Vision. Für ihre Einzelausstellung im Bündner Kunstmuseum nahmen sich Frölicher/Bietenhader Bilddaten an, die sich auf einer Harddisk über mehrere Jahre zersetzt hatten. Können sich verbliebene Pixel ihren eigenen Körper, ihren eigenen Raum erschaffen? Und wenn ja: Hat man es mit einem dokumentarischen, einem illusorischen, gar einem natürlichen Phänomen zu tun? Grosse Scheiben aus Plexiglas nehmen Prints auf von mikroskopiertem Gestein. Beamerlicht wirft Reflexionen von der Membran an die Wände zurück. Der Körper und sein Bild, das Sichern und das Auflösen liegen ganz nah beieinander, gehen ineinander über, sind sich letztlich gleich.Auch Sarah Burger (*1982, Glarus) erprobt im Zimmermannhaus einen ungesicherten Zeithorizont. «Model for a rising day» nennt sie die Entstehung ihrer Rauminstallation, die dazugehörige Performance wird von dem zweiten Titel «When earth lays down» getragen. Die artifiziell entfremdete Erde, die sie über den Terrakotta-Boden ausbreitet, versetzt einen in eine Zukunft, die das Hier und Jetzt ins Terrain archäologischer Erkundungen verwandelt. Die raumgreifende Installation erinnert an das Set eines Science-Fiction-Films, macht einen zu Expediteur/innen auf einem imaginären Planeten, dessen Bewohntheit schon vor der Ankunft angefangen hat. Sarah Burgers dreidimensionale Collagen verwischen gezielt die Herkunft ihrer einzelnen Elemente. Ihr Kosmos an Bildern, Objekten und ortsspezifischen Interventionen verwebt Ahnungen, Erinnerungen und Wissen und fordert gleichzeitig zu Spekulationen heraus. Zeichnet sich nicht in der Auflösung, mehr noch: im Zerfall historischer Fotografie ein neuer Horizont ab? Welche Deutungen des Heute werden einst in den eigenen Spuren gelesen werden? 23. Oktober–5. Dezember 2021.Offen: Mi–Fr 14.30–18 Uhr, Sa/So 11–16 Uhr.Achtung: Am Freitag, 5.11. und Freitag, 3.12. ist aufgrund einer Veranstaltung die Arbeit von frölicher|bietenhader nicht zugänglich.Eintritt freiSa, 30. Oktober, 18–23 Uhr: Kulturbrugg.Do, 25. November, 19 Uhr: Wortwechsel.

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