Pat Noser: Geplante Obsoleszenz

Pat Noser hat sich als engagierte Malerin einen Namen gemacht. Ihr motivisches Arsenal umfasst vom Strassenverkehr überfahrene Ratten oder Innereien, auf denen sich die Maden tummeln. In einem virtuosen, farblich oft reduzierten Stil malt sie Friedhöfe und bedrohlich leere Häuserschluchten, zerstörte Landschaften, Müllhalden. Ein Kontext, in dem selbst ihre wunderschönen Blumenstilleben den Beigeschmack des Trügerischen erhalten.Als Vorlagen dienen Medienbilder und eigene Fotografien. Pat Noser malt so, dass die verführerische Virtuosität ihrer Malerei und die oft unangenehmen Motive einen beklemmenden Kontrast bilden. Ihr Realismus geht unter die Haut, weil er nicht einfach nur abbildet was ist, sondern zeigt was sein könnte.Im Fokus der kommenden Einzelausstellung im Kunstraum Baden steht der Begriff der «geplanten Obsoleszenz». Damit sind Strategien gemeint, die Lebensdauer von Produkten – vom Velopneu bis zum Wohnsilo – künstlich zu verkürzen, um den Markt am Laufen zu halten und dem Wachstumsdogma des Wirtschaftssystems zu entsprechen. In Ergänzung zu einem motivisch sehr breiten «Bilderreigen» aus dem Atelier arbeitet Pat Noser über die Sommermonate im Ausstellungsraum und malt direkt auf die Wände. Dies können zusätzliche Bildmotive, aber auch Kommentare sein, um das Gezeigte zu kontextualisieren.In der Ausstellung finden aber nicht nur mehr oder weniger intensive Schreckensszenarien, sondern – als positiver Gegenpol – auch die sogenannte «Ikonensammlung» der Künstlerin ihren Platz. Diese Ikonen sind Bildnisse von Menschen, die Hoffnung machen. Weil sie Widerstand geleistet oder Grosses und Wichtiges geschaffen haben – Nachhaltigkeit statt Kurzlebigkeit, Menschlichkeit statt Gewinnoptimierung, die Wahrheiten hinter den Lügen. Die Namensliste ist lang und reicht von Hannah Arendt über Dolly Parton bis zu Frank Zappa.Dazu ist eine Videoinstallation in Kooperation mit Pat Nosers Lebenspartner, dem Künstler und Musiker Monsignore Dies (geb. 1996 in Lengnau, lebt in Biel) in Planung.Pat Noser ist 1960 in Aarau geboren und lebt seit vielen Jahren in Biel. Sie hat an der zhdk studiert, verfügt über eine lange Ausstellungsbiografie und hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Zuletzt 2019 einen Werkpreis vom Aargauer Kuratorium.

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Weitere Termine: 23. Oktober , 24. Oktober