Susanne Vögeli, Jeannette Fischer – «Mutter Liebe I und II »

Das «Eck», der Projektraum in Aarau für künstlerische und interdisziplinäre Recherchen, widmet sich mit dem nächsten Projekt der Mutterliebe. Jeannette Fischer (Psychoanalytikerin) und Susanne Vögeli (kochen und forschen, Raum Acht) stellen kritische Fragen zu diesem gesellschaftlich relevanten und selten hinterfragten Konstrukt. Nachdem das Projekt «Mutter Liebe» 2020 im Anna Göldi Museum in Ennenda gezeigt wurde, haben Jeannette Fischer und Susanne Vögeli das ursprünglich für das «Eck» konzipierte und pandemiebedingt um ein Jahr verschobene Projekt weiterentwickelt. Ausgangspunkt des ursprünglich gemeinsamen Projektes ist eine Videoarbeit von Jeannette Fischer, die auf einem Youtube-Video einer Mutter basiert, deren Sohn sich dem IS anschloss. «Mutter Liebe I» mit Susanne Vögeli: Vom 20. April bis 5. Mai thematisiert Susanne Vögeli das Potenzial der Süsse des Zuckers und untersucht dessen starke Anziehungskraft. Von der Muttermilch bis zum Geburtstagskuchen mit Schokoglasur erlebt ein Kind Zucker als eine Attraktion. Ist dieser damit eine Art Währung der Mutterliebe? Ein gedeckter Tisch, mit vier transformierten Zuckerkonsistenzen und dazu fotografische Arbeiten zeigen die Wandlungsfähigkeit des Zuckers. In einem Gespräch mit einer Stillberaterin fragt Susanne Vögeli nach der Bedeutung der ersten süssen Nahrung. Im Raum-Acht wird ergänzend zu Mutter Liebe I ein Workshop angeboten über Zucker und sein Potenzial im Fermentierungsprozess. «Mutter Liebe II» mit Jeannette Fischer: Vom 8. bis 20. Mai zeigt die Autorin und Psychoanalytikerin Jeannette Fischer ihre Videoarbeiten. Anhand eines auf YouTube veröffentlichten Videos einer kanadischen Mutter, deren Sohn sich mit 18 Jahren dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen und in Syrien gekämpft hat und der hingerichtet wurde, zeigt Jeannette Fischer eine Mutter-Sohn-Beziehung auf. Der analytische Blick - gespeist aus dreissigjähriger Praxiserfahrung - entlarvt schonungslos die vielschichtige Übergriffigkeit der Mutter des Hingerichteten. Jeannette Fischer greift mit ihrer Analyse des öffentlich zugänglichen Videos Themen wie Selbstinszenierung, Manipulation und Vereinnahmung unter dem Deckmantel der Liebe auf. Sie erweitert ihre Deutungen mit Aphorismen, welche als Lauftext im Schaufenster zu sehen sein werden. Diese umkreisen Themen der Mutterliebe, der Ängste und auch der Gewalt in Beziehungen.

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Weitere Termine: 20. Mai