August Strindberg: «Fräulein Julie»

Das Stück hat vordergründig eine einfach konstruierte Geschichte: Julie, Tochter eines Grafen, lässt sich in der lockeren Atmosphäre der Mittsommernacht mit dem Diener Jean ein. Am nächsten Morgen ist der Reiz verflogen. Reue, Verzweiflung, Selbstmord des adligen Fräuleins sind die Folgen, denn nach der gemeinsamen Nacht haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Jean zeigt seine brutale Seite, beschimpft Julie, bietet ihr aber die gemeinsame Flucht an, wenn sie genug Geld zu beschaffen imstande sei. Als der Graf zurückkehrt, wird Jean sofort wieder zum devoten Diener. Julie sieht keinen Ausweg mehr, nimmt das Rasiermesser, das ihr Jean aufdrängt, und geht «entschlossen zur Tür hinaus», wie es in der Regieanweisung heisst.Die Art, wie Strindberg diese Begegnung sensibel, spannend und überraschend in der Charakterzeichnung erzählt, macht verständlich, warum dieser Einakter zum berühmtesten und meistgespielten Drama des Dichters wurde. Da ist Julie: unbefriedigt, unbeherrscht, auf der Suche nach etwas Sinnvollerem als der standesgemässen Heirat. Und da ist Jean: der Untergebene, Fremde. Julie provoziert Jean, er reagiert mit romantisch-ritterlichen, verträumt-poetischen Gesten und Worten, warnt Julie jedoch vor sich.Das Stück wurde 1889 als geschlossene Vorstellung in Kopenhagen uraufgeführt – zur Umgehung der dänischen Zensurbehörde.Der 11.4.2021 ist der Ersatztermin für die ursprünglich am 11.2.2021 geplante Vorstellung, die aufgrund der Situation rund um das Corona-Virus verschoben werden musste.

Bühne | Stadtsaal, Zofingen

11. April 2021
17 Uhr