Sebastiano Bucca.

«Eine ideale Spielwiese»

Sebastiano Bucca leitet neu die Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach. In der aktuellen

Ausstellung des Fotografen Jonas Studer sind sich Natürliches und Künstliches ganz nah.

"Kunst kommt für mich nicht von Können, Kunst kommt von Kundtun." Erzählen soll sie, und dies so eindringlich, bunt, vielschichtig oder schlicht, wie es dem jeweiligen Urheber entspricht. Wer Sebastiano Bucca zuhört, wird sich nicht wundern, dass er der Kunst vor allem dies zutraut: Menschen ohne Umschweife anzusprechen.

Eine grosse Neugierde zeichnet den 53-jährigen Künstler aus, die Freude, Leute zusammenzubringen, und Mut, künstlerisches Neuland immer wieder finanziellen Sicherheiten vorzuziehen. Seit Januar ist er verantwortlich für das Ausstellungsprogramm in der Galerieim Mauritiushof in Bad Zurzach.

Als Sohn italienischer Einwanderer ist Sebastiano Bucca selbst in Bad Zurzach aufgewachsen. Dort ging er zur Schule, dort mietete er nach seiner zeichnerischen Ausbildung ein erstes Atelier. "Schon immer", sagt er rückblickend, "habe ich Filme gemacht, gemalt, aber auch Plakate gestaltet." Vorwiegend autodidaktisch hat er sich als Mediengestalter selbstständig gemacht, um mehr und mehr zum Dienstleister für die Kunst zu werden. "Ich lebe mit undvon der Kunst!"

In Zusammenarbeit mit Kreativen stellt er hochwertige Drucke her oder berät sie bei der Entwicklung ihres Portfolios. Seine eigenen Experimente mit fotografischen Verfahren lassen ihn spüren, welche Technik wo für am besten geeignet ist.

Die bevorstehende Ausstellung "Bikini Mudra" gilt dem in Muri geborenen Fotografen Jonas Studer (*1981). "Es sind Bilder von einer aufs Erste sehr positiven Ausstrahlung", meint der Kurator. "Erst beim zweiten Hinschauen treten vielleicht Fragen in Erscheinung." Man könnte in Studer einen schwärmerischen Geist vermuten: Seine Bilder handeln von einem grossen, ebenso poetischen wie künstlichen Traum. Schatten, Farbverfremdungen oder Blasen irritieren seine Idyllen von Himmel, Pflanzen und Landschaften.

Es hat damit zu tun, dass Studer seine Negativfilme im Voraus bearbeitet. Nach unvorhersehbaren Mustern überlagern deshalb Schäden im Material die Protokolle seiner zahlreichen Reisen. Das Vertrauen in die Natur bekommt Kratzer und Risse, wird überblendet von subtilem Zweifel und eigensinniger Schönheit. Fotografie wird erfinderisch wie Malerei. "Aufregend an Studers Arbeit ist, wie er sich spielerisch völlig hineinfallen lässt."

Diese Haltung ist durchaus als Einladung gedacht und darf sich auf Besucher*innen übertragen. Keine publikumsferne Adresse will Bucca etablieren in seiner früheren Heimatstadt, im Gegenteil: "Wichtig ist mir vor allem, den Leuten die Hemmschwelle zu nehmen, damit sie in die Galerie kommen." Wie schon bisher werden sie an der deutsch-schweizerischen Grenze Kunst aus dem südbadischen Raum antreffen, Ausstellende aus Zurzach selbst, Laien nicht ausgeschlossen.

Im Gespräch spürt man rasch: Mehr als um Kunst, welche die Fachwelt um sich schart, geht es Bucca um einen vitalen Raum der Begegnung. Erfreut sich darauf: Die Räume im historischen Altstadthaus sind gut ausgestattet, der Garten lässt Projekte im Aussenraum zu, die Trägerstiftung garantiert eine professionelle Zusammenarbeit- "eine ideale Spielwiese". Von Isabel Zürcher

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